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Das UX Maturity Modell von Truly XD

Fünf Stufen, vier Dimensionen und warum ich ein eigenes Reifegradmodell entwickelt habe

UX Maturity sitzt in jedem Digitalprojekt mit am Tisch. Angesprochen wird sie aber fast nie. Dennoch wissen IT-native Teams meist sofort, was gemeint ist, sobald jemand das Thema auf den Tisch bringt – oder die Probleme, die aus fehlender Reife entstehen. Nur hat es vorher keiner getan. Auf Englisch gibt es dafür einen wunderbaren Ausdruck: the elephant in the room. 🐘 Wenn schon erfahrene Digitalteams den Elefanten ignorieren, wie sieht es dann in einem Museum, einem Verband oder einem Social Impact Startup aus, in dem Digitales „nebenher“ läuft? Yep. Genau dafür (oder dagegen?) habe ich ein UX Maturity Modell und den UX Maturity Snapshot entwickelt.

Das UX Maturity Modell von Truly XD ist ein schlankes Reifegradmodell, das den UX-Reifegrad eines Teams in vier gleich gewichteten Dimensionen (Strategie, Prozess, Kultur, Ergebnisse) misst und in fünf Stufen einordnet. Anders als klassische Modelle dient es nicht der Langfriststrategie, sondern dem Start eines konkreten Digitalprojekts.

But why? Möchte ich das Rad neu erfinden?

Kurze Antwort: nein. Lange Antwort: Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit UX Maturity und habe 2022 bei einem Research-plus-Event der DGOF (Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung e. V.) sogar einen Vortrag darüber gehalten. Es gibt eine Vielzahl an UX-Reifegradmodellen (einige davon sind im Artikel „Was ist der UX-Reifegrad?“ gelistet), und die Welt braucht nicht wirklich ein weiteres. Deshalb erfindet das Truly XD UX-Reifegradmodell das Rad auch nicht neu. Bei der Stufenanzahl habe ich mich am Modell von Chapman und Plewes orientiert, und die vier Dimensionen habe ich mir direkt bei der NN/g geliehen. Was anders ist, ist der Zweck – dazu gleich mehr.

Die Ziele des Modells in Kombination mit dem UX Maturity Snapshot:

  • Niedrigschwelliger Zugang: Ein klassisches UX Maturity Assessment, z. B. von der NN/g, dauert in der Regel mehrere Wochen und verlangt eine Investition, die sich im fünfstelligen Bereich bewegt. Da dies ganz schön viel Zeit und Budget für einen Elefanten ist, über den keiner spricht, sollten Snapshot und Modell deutlich leichter zugänglich sein.
  • Leichtes Verständnis: Das Truly XD UX Maturity Modell hat fünf Stufen und entspricht damit dem gängigen mentalen Modell der Sternebewertung (1 bis 5 Sterne). Für den Zweck ist das fein genug, ohne kompliziert zu werden.
  • Den Elefanten ansprechen: Das letzte, aber wichtigste Ziel ist, dass UX Maturity bestenfalls ins Zentrum von Digitalprojekten rückt, mindestens aber zum Thema wird. Denn, wie viele schlaue Wissenschaftler:innen (einige von ihnen sind unter dem Artikel verlinkt) in zahlreichen Studien herausgefunden haben, kann das Wissen über den eigenen UX-Reifegrad die Erfolgsaussichten nachhaltig positiv beeinflussen.

Was macht das Truly XD UX Maturity Modell aus?

Das Modell hat genau eine Aufgabe: zeigen, wo ein Projekt starten sollte. Statt Dir den Umfang anzubieten, den das UX-Lehrbuch vorsieht, schlage ich Dir den Umfang vor, den Du und Dein Team heute tatsächlich tragen könnt. Falls Ihr zum ersten Mal nutzer:innenzentriertes Design anwenden wollt, machen z. B. ein Produktstrategie-Workshop und ein schlankes Design System Starter Kit mehr Sinn als ein Design System mit massivem Komponenten-Feuerwerk. 🎆

Warum ich so arbeite, erzähle ich ausführlicher in „Der Truly XD Designprozess“ und „Dein Level-up für Produkt und Team“.

Alle Reifegradmodelle machen im Grunde dasselbe: Sie bewerten Dimensionen und übersetzen das Ergebnis in Stufen. Die meisten sind aber für die Langfriststrategie eines Unternehmens gebaut. Meins ist für den Projekt-Kick-off gebaut. Kleiner Unterschied, große Wirkung.

Dimensionen

Wie bei anderen UX Maturity Modellen wertet das Truly XD Modell nutzer:innenzentriertes Denken und Arbeiten in verschiedenen Dimensionen aus, die alle Auswirkungen auf den Reifegrad haben und sich gegenseitig beeinflussen. Im Truly XD Modell zählen alle vier Dimensionen gleich viel, je 25 %. Ja, das ist eine Vereinfachung. Für einen Projektstart ist sie genau richtig.

Die UX Maturity Dimensionen

  • Strategie: Ist nutzer:innenzentriertes Design bei Euch ein Unternehmensziel, und steht die Führungsebene dahinter?
  • Prozess: Arbeitet Ihr nutzer:innenzentriert, und zwar nicht nur einmal, sondern wiederholbar?
  • Kultur: Wie denkt Eure Organisation über UX, und wer arbeitet mit wem zusammen?
  • Ergebnisse: Messt Ihr, was nutzer:innenzentrierte Arbeit bewirkt?

Ausgewählte Personen aus Deinem Team beantworten einen Online-Fragebogen: Skalenfragen zu jeder Dimension, dazu ein paar offene Fragen, die zeigen, wo bei Euch der Schuh drückt. Der Gesamtwert ist der Durchschnitt aus allen Dimensionen und legt die Stufe fest.

Jede Dimension wird einzeln bewertet und gemeinsam mit Dir und Deinem Team besprochen. So seht Ihr, wo sich Investitionen lohnen.

Stufen

Wie bei Chapman und Plewes gibt es fünf Stufen. (Die NN/g arbeitet übrigens mit sechs.) Meine Motivation: keep it simple.

Was die fünf Stufen bedeuten

  • Abwesend (Gesamtwert 1,0 bis 1,9): Nutzer:innenzentriertes Design spielt keine Rolle. Design ist Deko oder passiert zufällig.
  • Entstehend (Gesamtwert 2,0 bis 2,9): Nutzer:innenzentriert wird gearbeitet, wenn jemand Bestimmtes dabei ist. Fällt die Person weg, fällt es mit.
  • Wachsend (Gesamtwert 3,0 bis 3,4): Nutzer:innenzentriertes Arbeiten findet statt, aber nicht in allen Teams gleich.
  • Etabliert (Gesamtwert 3,5 bis 4,2): Nutzer:innenzentriertes Arbeiten ist Alltag, und die Führungsebene steht dahinter.
  • Strategisch (Gesamtwert 4,3 bis 5,0): Nutzer:innenzentriertes Arbeiten ist fest verankert, wird gemessen und treibt die Strategie.

Am Anfang geht es meist schnell voran, später werden die Schritte kleiner. Deshalb sind die unteren Stufen breiter und die oberen schmaler: Je reifer ein Team, desto feiner die Unterschiede.

Mit der Stufe im Rücken definieren wir Meilensteine und Ziele, die Eurem Produkt und Eurem Team gleichermaßen dienen.

Welche Vorteile hat die Einstufung nach einem UX-Reifegrad für Dein Vorhaben?

Jetzt fragst Du Dich vielleicht, warum Ihr Euch erst einmal SELBST bewerten lassen solltet, wenn Du und Dein Team eigentlich nur jemanden für ein Projekt sucht. Verstehe ich. Aber beim UX-Reifegrad geht es nicht um gut oder schlecht. Es geht, metaphorisch gesprochen, darum, in einem schummrigen Raum das Licht anzumachen, damit Ihr findet, was Ihr sucht. 💡 Wobei der Snapshot, auch preislich, eher eine Taschenlampe als ein Flutlicht ist. Für den Start eines Projekts reicht das – let's be real – fast immer. Und auch eine Taschenlampe zeigt eine ganze Menge:

  • Muster erkennen: Der Snapshot zeigt, warum Ihr immer wieder vor denselben Fragen steht.
  • Realistische Projektziele: Ihr wisst, was jetzt machbar ist und was besser auf der Roadmap nach hinten rutscht.
  • Geld sparen: Im hellen Raum kauft Ihr nichts, was Ihr gerade gar nicht braucht.
  • Klare Prioritäten: Ihr wisst, was zuerst kommt, und könnt das auch vor Vorstand, Geschäftsführung oder Fördergeber:innen begründen.

Weiterführende Quellen

Lass uns gemeinsam das Licht anmachen!

Der UX Maturity Snapshot ist der Startpunkt jeder Zusammenarbeit mit Truly XD.

Gerne erzähle ich Dir in einem 30-minütigen, unverbindlichen Kennenlerngespräch mehr davon. Oder schicke mir eine schriftliche Anfrage.

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